die Tochter hat eine Bitte: „Könntest du etwas weniger meckern?!“ Wir stehen in der Schlange vor unserem Lieblingseisladen, der seit wenigen Tagen geöffnet hat. Drei Minuten Sonne genügen, und schon schieben sich Massen durch die Tür – wir ganz hinten. Erfahrungswert: Es dauert ab jetzt noch knapp eine halbe Stunde. Ich maule leise vor mich hin und nerve damit die Sechsjährige, die sich auf ihr Franzbrötcheneis mit Marshmallows freut und allerbester Laune ist. „Du hast ja recht“, antwort ich.
Ein paar Stunden später meldet sich mein Kollege Olaf Wunder. „Hänge in Kambodscha fest“, schreibt er. Der Angriff von Israel und den USA auf den Iran verhindert seinen Rückflug über Dubai. Angesichts der Auswirkungen (nachzulesen in unserem Live-Blog) auf die Weltlage ist das natürlich nur eine Randnotiz. Für Olaf ist es jedoch eine echte Geduldsprobe. „Ich bin sehr ungeduldig, aber das weißt du ja“, ergänzt er mit einem lachenden Emoji.
Ungeduld ist biologisch verankert: Unser Dopaminsystem belohnt sofortige Erfolge stärker als spätere. Zudem empfinden wir Warten als Kontrollverlust. Ungeduld ist also keine Charakterschwäche, sondern biologisch erklärbar.
Die gute Nachricht: Gelassenheit lässt sich trainieren – erfordert aber, Überraschung, Geduld. Die einfachste Methode, die mir eine befreundete Psychologin empfohlen hat: Atmen. Vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus, mindestens zehn Wiederholungen. Das aktiviert das parasympathische Nervensystem. Oder man schreibt die Stresssituation mit der Frage auf: „Was kann ich wirklich kontrollieren?“ Olaf hat letzteres ausprobiert. Den Text dazu können Sie hier lesen.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten Start in die neue Woche.
Julian König
Ressortleiter Lokales
julian.koenig@mopo.de