Heute von
Claudia Lehnen
Chefreporterin 
Dienstag, den 17.03.2026

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt Menschen in meinem näheren Umfeld, die finden es lustig, dass ausgerechnet ich einen Newsletter schreibe, der "Anleitung zum Wohlfühlen" heißt. Suggeriert der Titel doch Füße hoch sowie Cocktails mit Schirmchen und kennt man mich im Familien- und Freundeskreis doch eher als eine, die sich der Pflicht verbundener fühlt als allzu viel Dolce im Leben. Ich persönlich kann einwenden: Vielleicht ist das Wohlfühlen gar keine egoistische Eigenschaft. Vielleicht ist es vielmehr eine menschliche Pflicht.  

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Letzte Woche habe ich derlei Gedanken zuletzt gewälzt. Ich war zu Gast bei Andreas Oestern und dessen Frau Dorothee Dernbach. Ich durfte mit ihnen in ihrer lichtdurchfluteten Kölner Wohnung sitzen neben einer alten Speisekarten-Tafel, auf der unter den Worten "Wir empfehlen!" schwungvoll jemand mit Kreide "Frühling" geschrieben hatte. Andreas Oestern ist 63 Jahre alt und lebt seit sechs Jahren mit der Diagnose Parkinson. Seine Sprache ist verwaschen, seine Stimme leiser geworden, aus dem Chor musste er schon austreten und auch erwerbsunfähig ist er seit zwei Jahren. Manchmal, so sagt er, lebt er bis mittags wie mit Nebel im Kopf, der sich erst zu späterer Stunde lichtet. Alle vier Stunden schluckt er Dopamin, um seine rechte Hand und seinen rechten Fuß unter Kontrolle zu behalten, die sonst fortwährend "morsen" würden, wie Dorothee Dernbach das nennt. 

Trotzdem geht es bei Oestern-Dernbachs heiter zu. Sie schwärmen von einer Reise nach Neapel, Segeltörns im Ijsselmeer, Fahrradtouren, bald geht es nach Namibia. Außerdem hat man sechs Enkelkinder, die Organisation der Parkinson-Selbsthilfegruppe "parkimotion" und dann ist da ja auch noch der Aufschlag mit Unterschnitt beim Tischtennis, an dem noch gefeilt werden müsse. Andreas Oestern weiß, dass seine Krankheit unberechenbar ist. Aber das Leben ist das doch genaugenommen auch. Und irgendwie hat Oestern aus dieser doppelten Ungewissheit heraus Kraft geschöpft. "Ich gebe Gas."

Nach dem Besuch ertappte ich mich seltsamerweise dabei, Oestern für seine Lebenseinstellung zu beneiden und gleichzeitig ereilte mich das Gefühl: Um ein Leben mit so viel Sinn und Glück und Wohlfühlen vollzustopfen wie möglich, sollte man keine Diagnose brauchen. Endlich ist die Angelegenheit eh. Also starten Sie bitte auch schon heute mit der Freundlichkeit gegenüber sich selbst.

➡️ „Ich nehme einfach meine Tabletten und versuche, mein Leben zu leben“

Dorothee Dernbach und Andreas Oestern versuchen, das Leben mit so viel Freude und Aktivität zu füllen wie möglich. Foto: Michael Bause

Das weiß übrigens auch die Kölner Kinder- und Jugendmedizinerin Karella Easwaran, die das Buch "Glück entsteht im Kopf" geschrieben hat. Sie rät zu einem Dankbarkeitstagebuch. Dankbarkeit ist nicht nur ein schönes Gefühl, sondern eine wissenschaftlich belegte Kraft: Sie aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und senkt nachweislich unser Stresslevel.

Sie sagt: "Nehmen Sie sich jeden Abend nur eine Minute Zeit und schreiben Sie drei Dinge auf, für die Sie dankbar sind – es müssen keine großen Dinge sein, denn die Schönheit liegt oft im Einfachen: eine Umarmung, ein warmer Tee, ein Lachen. Dieses Ritual trainiert das Gehirn, den Blick gezielt auf das Positive zu lenken – und verändert so mit der Zeit das gesamte Denkmuster." Schon nach wenigen Wochen täglichen Übens verspricht Easwaran, eine Veränderung der inneren Haltung zum Leben: "Hin zu mehr Ruhe, Freude und Zuversicht."

 

Dr. Karella Easwaran rät zum Dankbarkeitstagebuch. Die einfache Übung trägt zu mehr Ruhe, Zuversicht und Freude bei. Foto: Amanda Dahms

Wer gerade unter Pollenallergie leidet, hat möglicherweise etwas Schwierigkeiten, dem Frühling und dem Leben mit permanenter Dankbarkeit zu begegnen. Aber verzweifeln Sie nicht! Es gibt Hilfe auch gegen juckende Augen und zugeschwollene Nase. Ich habe mir die besten Tipps bei Professor Dr. Beate Müller von der Uniklinik Köln und Allergologe Marc Schönherr in Rodenkirchen eingeholt.

➡️ Pollenallergie: Warum sie sich auch im Rheinland immer mehr ausbreitet

Dr. Ingo Froböse rät den Leserinnen und Lesern unseres Newsletters zu überraschenden Umarmungen. Sie können sogar Schmerzen lindern. Foto: Martina Goyert

Umarmen Sie, kurz aber häufig!

Am meisten Glück verheißt häufig übrigens die Stärkung der sozialen Bande. Professor Ingo Froböse rät zu Umarmungen. Am besten kurz aber häufig. Der Autor des Buches "Die Stimme unseres Körpers" zitiert eine Studie von Dr. Julian Packheiser (Ruhr-Universität Bochum, publiziert 2024 in Nature Human Behavior) mit fast 13.000 Teilnehmern und sagt: „Körperliche Berührungen können sowohl von Menschen als auch von Tieren Schmerzen, Depressionen und Ängste in allen Altersgruppen lindern. Kürzere Berührungen, aber dafür häufigere Kontakte, sind besonders förderlich." 

Entscheidend ist dabei die Überraschung: Selbst eine kurze Umarmung zeigt eine stark positive Wirkung auf das Nervensystem. Im Alltag bedeutet das: nicht selten und lang umarmen – sondern lieber mehrmals täglich kurz.

Foto: Julia Steinbrecht/KNA

Buch-Verlosung zum Thema „Wasserfasten“ 

Und hier haben wir noch eine Verlosung für Sie: Unter allen Leserinnen und Lesern unseres Newsletters verlosen wir fünf Exemplare des Buchs „Wasserfasten“ von Peter Schwarz. In seinem Buch erklärt Prof. Dr. Schwarz, warum unser evolutionäres Erbe vorsieht, dass wir ab und zu auch Hungerphasen durchmachen müssen, um gesund zu bleiben. Er zeigt, welche biochemischen Prozesse im Körper bei der zweiwöchigen Nahrungsunterbrechung ablaufen und warum Intervall- oder Scheinfasten das Leberfett nur unzureichend reduzieren. Wenn Sie gewinnen wollen, antworten Sie bis Freitag, 10 Uhr auf diese Mail mit dem Betreff „Wasserfasten“. Viel Glück!

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Gute Nachricht für Ihre Gesundheit

Wer die Natur bewusst wahrnimmt und gleichzeitig Musik hört oder selbst musiziert, steigert sein WohlbefindenDas hat eine US-amerikanische Untersuchung ergeben. Die Studienteilnehmer, die in der Natur unterwegs waren, Luft spürten, Pflanzen rochen und Tiere beobachten konnten und gleichzeitig sangen oder Musik hörten, berichteten von Gefühlen wie Freude, Glück und Verbundenheit. Also: Gehen Sie in den Wald oder an den Rhein, summen sie dabei ein Lied oder genießen sie Musik über Kopfhörer. 

Kleines Lexikon der Vitamine und Mineralstoffe

Vitamin D:

Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium und ist so unabdingbar für unsere Knochengesundheit, die Muskelkraft, die Zähne und das Immunsystem. Gebildet wird es hauptsächlich durch Sonnenlicht, zehn bis 15 Minuten Gesicht und nackte Unterarme der frischen Luft aussetzen, ist ausreichend - auch im Schatten kriegen wir UVB-Strahlen ab. Wer nach einer Blutabnahme einen Mangel attestiert bekommt, kann supplementieren. Aber auch in einigen Lebensmitteln steckt Vitamin D: Am besten Sie greifen ab und zu zu fettem Fisch wie Lachs oder Hering.

Eine Viertelstunde Sonnenlicht täglich reicht meist aus, um den Vitamin-D-Speicher des Körpers zu füllen. Foto:  Rolf Vennenbernd/dpa

Ihre Claudia Lehnen
Zur Autorin: Claudia Lehnen, Jahrgang 1978, ist Chefreporterin  und interessiert sich besonders für Geschichten, in denen echte Menschen hinter Zahlen und Gesetzen sichtbar werden. Sie liebt Yoga, Stricken, Rennen, Freibäder und ihr Patchworkleben mit Mann, drei Kindern und einer Enkelin.

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