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Heute von
Eliana Berger
Ausgabe vom
Samstag, den 04.04.2026

Liebe Leserin, lieber Leser,


es ist traurig, dass die Kommunikation über die Klimakrise so stark von beunruhigenden Superlativen geprägt ist – aber hier habe ich mal wieder einen für Sie: Seit nun schon einem Jahr ist jeder einzelne Monat der weltweit wärmste seit Aufzeichnungsbeginn. Der Mai war der zwölfte Monat in Folge, in dem die globale Durchschnittstemperatur einen Rekordwert für den jeweiligen Monat erreichte, wie der EU-Klimawandeldienst Copernicus am Mittwoch mitteilte. 

„Es ist schockierend, aber nicht überraschend, dass wir diese zwölfmonatige Serie erreicht haben“, sagte Copernicus-Direktor Carlo Buontempo. „Zwar wird diese Abfolge von Rekordmonaten irgendwann unterbrochen werden, doch die allgemeine Signatur des Klimawandels bleibt bestehen, und es ist keine Änderung dieses Trends in Sicht.“ Nur wenn man die Konzentration der Treibhausgase in nächster Zukunft stabilisiere, könne man vielleicht bis Ende des Jahrhunderts zu kühleren Temperaturen zurückkehren.

Beim Hitzeaktionstag machten auch in Köln Menschen auf den Zusammenhang von Klimakrise und Gesundheit aufmerksam. Jährlich sterben Tausende in Deutschland in Folge der Hitze.

Copyright: Arton Krasniqi

Angesichts der steigenden Temperaturen mahnte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einen besseren Hitzeschutz der Bevölkerung an. Die Hitze sei wie das Hochwasser eine Folge des Klimawandels, sie fordere allerdings ein Vielfaches an Toten, sagte er anlässlich eines Hitzeaktionstages. Allein im vergangenen Sommer sind nach Zahlen des Robert Koch Instituts 3200 Menschen in Deutschland wegen zu hoher Temperaturen gestorben. 2022, einem Jahr mit knapp 20 und damit besonders vielen Hitzetagen, erreichte die Zahl der Opfer mit 4500 einen noch höheren Wert.

„Europa hat eine sehr alte Bevölkerung, zudem erhöht sich die Temperatur hier deutlich schneller als anderswo. Wir befinden uns in einer besonderen Gefahrenzone“, sagte der Minister.

Copyright: dpa

Die Dunkelziffer dürfte Experten zufolge weit darüber liegen. Denn: Zu den klar definierten Hitzetoten gesellte sich die Zahl der Menschen, die an Vorerkrankungen litten, die sich bei steigenden Temperaturen verschlimmerten. 
Der Grund: Bei einem vorerkrankten Körper funktioniert die Thermoregulation beispielsweise nicht mehr optimal. Gerade für Risikogruppen wie Senioren, chronisch Kranke, Kleinkinder, aber auch Obdachlose oder im Freien arbeitende Menschen sei Hitzeschutz deshalb zentral. „Europa hat eine sehr alte Bevölkerung, zudem erhöht sich die Temperatur hier deutlich schneller als anderswo. Wir befinden uns in einer besonderen Gefahrenzone“, sagte der Minister. Gefragt seien Aktionen auf vielen Ebenen.
Wir alle haben in den vergangenen Tagen die schlimmen Bilder des Hochwassers im Süden Deutschlands gesehen. Ich möchte Ihnen in diesem Kontext den lesenswerten Leitartikel meines Kollegen Steven Geyer ans Herz legen. Der formuliert nämlich schon im ersten Satz so treffend: „Es ist ein trauriges Ritual: Die Flusspegel steigen – und Vernunft breitet sich aus über die Bundesrepublik Deutschland.“

Jüngstes Beispiel: Als Ministerpräsident Markus Söder wegen der Überschwemmungen in Bayern darauf angesprochen wurde, dass seine Regierung zuletzt ausgerechnet beim Hochwasserschutz gespart habe, reagierte er unwirsch. „Wir haben halt eine Veränderung des Klimas“, sagte er. Man könne solche Katastrophen künftig nicht vermeiden, nur abmildern: „Wir müssen den Klimaschutz voranbringen.“ 
Wenn der Ehrgeiz verschwindet, sobald der Pegel sinkt, werden die Kosten weiter steigen: für die Schäden, die Vorbeugung UND den Klimaschutz."
Steven Geyer
RND-Hauptstadtbüro
Tatsächlich habe aber nicht nur Söders Regierung am falschen Ende gespart, als sie Vorbeugemaßnahmen strich und gegen Überschwemmungsflächen polemisierte, so Geyer. Auch die Ampel im Bund halbierte just in diesem Jahr das Nationale Hochwasserschutzprogramm. Beim Klimaschutz sei das Problem sogar noch gravierender. 

Unter dem Motto „Klimaschutz ist wichtig, ABER“ lasse sich zu fast jeder konkreten Maßnahme ein Einwand finden – beileibe nicht nur aus der CSU. Das große Problem: „Von Klimapolitik profitiert der Mensch nur langfristig, kurzfristig strafen die Wähler aber jeden ab, der ihnen etwas zumuten will“, so Geyer. „Man kann es wenden, wie man will: Wenn der Ehrgeiz verschwindet, sobald der Pegel sinkt, werden die Kosten weiter steigen: für die Schäden, die Vorbeugung UND den Klimaschutz.“ Lesen Sie selbst. 
Wo früher Abraum aus dem Tagebau Hambach aufgeschüttet wurde, sollen künftig Wildpferde traben: Auf der Sophienhöhe im Rhein-Erft-Kreis werden in der kommenden Woche im Rahmen eines Pilotprojekts die ersten Pferde ausgesetzt. Sie sollen die Wiesen von Bäumen und Sträuchern frei halten und die Artenvielfalt in der Rekultivierung des Tagebaus Hambach weiter erhöhen. 

Bereits 1988 wurde mit der forstlichen Rekultivierung der Sophienhöhe begonnen, inzwischen sind rund 90 Prozent der Flächen bewaldet und werden forstwirtschaftlich genutzt. Jetzt sollen die Pferde Naturliebhaber anlocken. Sind Sie überzeugt? Wenn Sie noch ein paar Jahre warten, können Sie sich nach dem Besuch gleich noch im Hambacher See abkühlen! 
Bleiben Sie hoffnungsvoll!
Herzlich,
Ihre Eliana Berger
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