đĄ Warum werfen einige Menschen ihren MĂŒll einfach in den Wald?Der Familien-Newsletter fĂŒr Schleswig-Holstein. | | Christian Ströhl
Reporterchef OsnabrĂŒck
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Liebe Leserinnen und Leser,
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ich halte mich fĂŒr einen verstĂ€ndnisvollen Menschen. Wer zwei kleine Kinder erzieht, hat auch keine andere Wahl. Man lernt irgendwann, dass es sinnvoller ist, milde zu bleiben statt zu explodieren.
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Vergossene Milch auf dem Teppich, Trotzphasen im Supermarkt, schlechte Laune ohne Grund. Ich predige meinen Kindern tÀglich: Man muss immer beide Seiten sehen. Ich glaube das. Wirklich. Dann fuhren wir an die Nordsee.
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MĂŒll im Watt, Kippen, Plastik, Pommesschalen |
Wir wanderten ĂŒber Deiche, erkundeten das Watt, genossen das Wetter. Die Kulisse wie aus einem Werbeprospekt fĂŒr Urlauber. Nur dass eine Tourismusbehörde vermutlich die Zigarettenkippen im Sand wegretuschiert hĂ€tte, die Plastikfetzen im Watt, und die leeren Pommesschalen neben der Beachbar â elegant gestapelt, nur 30 Zentimeter entfernt vom MĂŒlleimer.
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Meine Kinder schauten mich an: âPapa, warum werfen die das nicht da rein?â Tja, was macht der moderne Vater in so einem Moment? Er weicht aus und versucht zu erklĂ€ren.
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Ich schluckte also meinen Ărger runter und faselte etwas von Windböen. Ich erfand Ausreden fĂŒr Wildfremde, warb um VerstĂ€ndnis fĂŒr Leute, die zu faul fĂŒr eine einzige Armbewegung gewesen waren.
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...und dann fliegt die McDonalds-TĂŒte in hohem Bogen aus dem Auto |
Das klappte ganz gut, bis wir auf dem RĂŒckweg Tage spĂ€ter hinter einem groĂen SUV herfuhren. Dieser tuckerte vor uns durch ein WaldstĂŒck auf einer LandstraĂe. Plötzlich öffnete sich das Beifahrerfenster. Langsam, fast beilĂ€ufig, schleuderte die Person eine prall gefĂŒllte PapiertĂŒte mit grell leuchtendem âMâ im hohen Bogen heraus.
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Der Beutel segelte ĂŒber den StraĂengraben und klatschte mitten ins Unterholz. Meine Vermutung zum Inhalt: Zwei JuniortĂŒten-Reste, vier GetrĂ€nkebecher und sonstiger Unrat nach einem Drive-In-Besuch.
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Da riss er, mein pÀdagogischer Geduldsfaden. |
Ich fluchte. Laut. Zwei Worte, die ich hier nicht wiederholen werde, hallten durch das Auto. Meine Kinder saĂen auf der RĂŒckbank â sie hatten alles gesehen und gehört: erst den fliegenden MĂŒllbeutel, dann ihren explodierenden Vater.
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âPapa, warum macht der Mann das?â, fragte die GroĂe. Die Zeit der Windböen-Ausreden war vorbei. Hier gab es keine zweite Seite zu beleuchten. Ich hatte keine Lust mehr, idiotisches Verhalten schönzureden. |
âWeil manche Menschen einfach dumm sindâ, sagte ich.
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Von einem Mann, der gerade vor seinen Kindern die Beherrschung verloren hatte, war das eine gewagte Diagnose. Vielleicht hĂ€tte ich prĂ€ziser sein mĂŒssen. Manche Menschen sind nicht dumm. Sie sind rĂŒcksichtslos. Egoistisch. Verantwortungslos. |
Und wahrscheinlich werde ich meinen Kindern schon morgen wieder erklÀren, dass man vorsichtig sein sollte mit Urteilen. Aber an diesem Tag fiel es mir schwer, eine bessere Antwort zu finden.
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Ich wĂŒnsche Euch eine gute Zeit!
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Euer Christian
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