21.05.2026 | Im Browser lesen noz
Was geht?!
Liebe Leserin, lieber Leser,
schlaffe Haut, eingefallene Wangen, ein fahles Erscheinungsbild – die sogenannten „Ozempic-Gesichter“ sieht man inzwischen überall. Waren es im vergangenen Jahr noch Promis wie Serena Williams, Elon Musk oder Oprah Winfrey, die das Medikament zum Abnehmen genutzt haben, sind es heute Kollegen, Nachbarn, Familienmitglieder.

Die Selbstoptimierung erreicht ein neues Maß

Mir macht diese Entwicklung Sorgen. Denn sie steht für ein neues Extrem der Selbstoptimierung, das weit über den Friseurbesuch, Kosmetik oder Kleiderwahl hinausgeht. Der menschliche Körper wird dabei zu einem System, das man justieren, nachrüsten, verbessern kann.
Wer keine Falten will, lässt sich mit Botox behandeln. Wer sich konzentrieren muss, nimmt Ritalin. Und wer abnehmen möchte, spritzt eben Ozempic. Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten entwickelt wurden, werden nun genutzt, um die Körper gesunder Menschen zu optimieren.

Ozempic kann unser Menschenbild verändern

Früher war Dünnsein ein Statussymbol für Disziplinierte. Heute kann sich jeder mit dem entsprechenden Geldbeutel Abnehmspritzen kaufen und innerhalb kurzer Zeit viel Gewicht verlieren. Sicher handeln viele, die solche Medikamente nutzen, nicht leichtfertig, sondern oft nach Jahren des Scheiterns, des Drucks, der Selbstzweifel. Deshalb lohnt sich der genauere Blick: nicht auf die Entscheidung des Einzelnen, sondern auf die Erwartung, die dahinter entsteht.
Sie hat das Potenzial, unser Menschenbild radikal zu verändern: Wenn Alltagsprobleme wie Gewicht, Konzentration oder Stimmung plötzlich nicht mehr ausgehalten, sondern einfach behandelt werden können, verlernen wir, mit Unperfektheiten zu leben. Und das steigert womöglich auch den Druck: Wer nicht optimiert, wirkt plötzlich nachlässig.

Es braucht Wertschätzung für das „gut genug“

Werden wir in wenigen Jahren also Gewicht, Fokus oder Stimmung so selbstverständlich einstellen, wie früher den Wecker? Oder werden wir nur eine neue Sehnsucht spüren – nicht nach dem besseren Selbst, sondern nach einem, das nicht ständig verbessert werden muss?
Aus meiner Sicht braucht es eine neue Form von Gelassenheit. Die Fähigkeit, medizinischen Fortschritt zu nutzen, wo es sinnvoll ist – oder sich bewusst zu entscheiden, dass „gut genug“ genau das ist, was uns menschlich hält.
Damit wünsche ich Ihnen einen schönen Donnerstag!
Ihre Louisa Riepe

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