Der „Smart Meter“, angeblich ein intelligentes Strommessgerät, hängt inzwischen in fast neun von zehn Haushalten. Und er hat das Zeug dazu, ein besonders trauriges Symbol für staatlich geplantes Versagen zu werden. Es ist wie bei vielen Sachen, die uns Politik und Monopol von oben aufzwingen: Niemand hat das Ding bestellt, kaum jemand hat es gewollt, bezahlen müssen es alle. Nicht der Normalverbraucher und seine Alltagsbedürfnisse standen Pate bei der Entwicklung. Sondern Lobbyisten ließen sich von Technikern ein Ding konstruieren, das den Partikularinteressen von wenigen dient. Dann redeten sie es der stets willfährigen Politik ein. Und die Masse muss jetzt hohe Kosten für vergebene Chancen tragen. (Bald werden wieder alle rätseln, warum das Wohnen so teuer geworden ist.)
Denn eigentlich ist die Idee ja gut: Ein wirklich smartes Messgerät würde zum Beispiel aktuelle und bald zu erwartende Stromtarife leicht fassbar anzeigen. Die Kunden könnten ihre Geschirrspüler und Waschmaschinen genau dann laufen lassen, wenn der Strom am billigsten ist. Davon ist die Realität in vielen Haushalten leider weit entfernt. Der serienmäßige Smart Meter ist ein graues Kastl, das genau das kann, was der alte Drehstromzähler vor 100 Jahren konnte: mir anzeigen, ob ich gerade viel oder wenig Strom verbrauche. Nur eben viel teurer als früher. Der Zählertausch war somit eine (EU-)staatlich verfügte Sonderkonjunktur für Zählerhersteller, sonst gar nichts. Der praktische Nutzen beschränkt sich darauf, dass auch der Stromlieferant meinen Verbrauch kennt (und mir im Notfall per Fernwartung den Saft abdrehen kann).
Das alles haben wir (ein paar unabhängige, für PR-Schalmeientöne der Strom- und Netzindustrie wenig empfängliche Journalisten) schon im Vorfeld eingewendet und geschrieben. Gekratzt hat das keinen. Jetzt, im Nachhinein, stellte der Rechnungshof fest, dass die Aktion Zählertausch mindestens 2,2 Milliarden Euro kostete und kaum messbaren Nutzen bringt. Aber Hauptsache, es stand in jeder „Kundeninformation“ drin, dass der Tausch „für den Stromkunden kostenlos“ ist. Volkswirtschaft nach Pippi-Langstrumpf-Art.
Was die Politik draus lernen kann: dass sie endlich ihr Mandat richtig begreift und zur Abwechslung einmal für ihre breiten Wählerschichten arbeitet, nicht für die geschützten Werkstätten von ein paar wenigen, die sich mit solchen oktroyierten „Reformen“ eine goldene Nase verdienen. Vielleicht sind dann, oh Wunder, die Umfragewerte für Regierende plötzlich besser.
Gute Drähte und Elektrisierendes am Wochenende wünscht