Redakteur Kultur & Medien
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Unlängst habe ich für einen Artikel ein Zitat von Thomas Mann aus "Der Tod in Venedig" gesucht. Ich habe das Buch ganz sicher in meiner Bibliothek stehen, es aber partout nicht gefunden. Also tat ich das, was ich selten tue: Ich zog die Künstliche Intelligenz zu Rate. Diese servierte mir brav das Zitat, behauptete dann aber, dass Thomas Mann ein kolumbianisch-amerikanischer Schriftsteller sei. So ein Dödel, diese KI! Was lernen wir daraus? MI ist nach wie vor gefragt - Menschliche Intelligenz.
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Besonders abwechslungsreiche Lesekost steht diesmal auf dem Ernährungsprogramm: "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk beschäftigt sich im Buch "Ausreden" in literarisierter Form mit dem "Fall Blauensteiner", der Schweizer Schriftersteller Christian Haller beweist mit der wunderbaren Novelle "Einfallende Dämmerung", dass Alter nicht Stillstand bedeutet, und "Das Grab des Webers" von Seumas O'Kelly ist ein (irisches) Meisterwerk absurder Komik, das mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat, aber noch immer zum Brüllen auf hohem Niveau anregt. Viel Vergnügen!
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Es war einer der größten und grausamsten Kriminalfälle in der Geschichte der Zweiten Republik: 1997 und in einem zweiten Prozess 2001 wurde Elfriede Blauensteiner, in den Medien gerne als „schwarze Witwe“ oder „Weibsteufel“ tituliert, wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie hatte Partner und Pflegefälle buchstäblich zu Tode betreut, vergiftet und gequält, um an deren Erbe zu gelangen. 2003 starb Blauensteiner in Haft an einem Gehirntumor.
30 Jahre nach ihrer Verhaftung hat „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk aus dem „Fall Blauensteiner“ ein Buch gemacht. Es ist kein Sachbuch, kein Roman, vielmehr beruht „Ausreden“ im Wesentlichen auf den Aussagen Blauensteiners, die sie gegenüber der Gerichtspsychologin Sigrun Roßmanith gemacht hat. Klenk hat das Material verdichtet, literarisiert, er schuf eine Art Langgedicht, allerdings mit wenig lyrischem Inhalt. Vielmehr handelt es sich um den Monolog einer Mehrfachmörderin, sozialisiert in einem grausamen Jahrhundert, aufgewachsen in einem gewalttätigen Umfeld; in dem die Schwachen die noch Schwächeren quälten. Dieses Muster setzte sich in Elfriede Blauensteiner fort. „Ich wollte den ,Weibsteufel‘ als Mensch zeigen“, so Florian Klenk. „Als bösen Menschen, der aber auch von bösen Menschen böse gemacht wurde.“
Blauensteiners Monolog erschüttert und verstört. Hier „spricht“ eine Frau ohne Mitleid, ohne Moral, ohne Schuldbewusstsein. „Es gab so viel Wut, so viel Hass aus ihr heraus“, sagte die Tochter Blauensteiners, die Klenk für sein Nachwort interviewt hat. Ihr selbst gelang es mühsam, aus der generationenübergreifenden Spirale der Gewalt auszubrechen.
Florian Klenk. Ausreden. Elfriede Blauensteiner. Ein Bekenntnis. Zsolnay, 138 Seiten, 23,70 Euro.
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Ich muss gestehen, dass ich diesen Schweizer Autor bislang nicht auf dem Radar hatte. Was für ein Fehler! Ich mag Literatur, die auf leisen Pfoten daherkommt; unaufgeregt, aber dennoch aufregend. Literatur, die mich mit zarten Sprachfäden umfängt und davonträgt - in welche Welt auch immer. Die Novelle "Einfallende Dämmerung" von Christian Haller erfüllt all diese Voraussetzungen und hat mich vom ersten Satz an nicht mehr losgelassen. Es ist ein Text, der große existenzielle Fragen in einem bewusst kleinen, konzentrierten erzählerischen Rahmen verhandelt.
Im Zentrum der Handlung steht der Mikrobiologe Paul Bálint, der in Paris seinen 80. Geburtstag mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen feiert. Die Feier ist zugleich Ehrung und Abschiedssituation: Bálint erkennt, dass er sich an einer Schwelle befindet – zwischen dem sogenannten „jungen Alter“ und einem Abschnitt, in dem Vergänglichkeit stärker spürbar wird und Gewissheiten brüchig werden. Statt das Alter jedoch ausschließlich als Verlust zu begreifen, versteht er es als eine Art unerforschtes Terrain, das es neu zu kartieren gilt – körperlich, emotional und intellektuell. Zitat: "Auch wenn er nicht wusste, in welche Welt er nun hineingehen würde, er war sich sicher, dass sie nicht in einer erinnerten Vergangenheit lag."
Bálint greift zwar wiederholt zu Marcel Prousts Mammutwerk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", verfängt sich selbst auch immer wieder in Erinnerungsschleifen, aber dann trifft er die bewusste Entscheidung, sein Leben nicht im Rückspiegel zu betrachten, sondern mit wachem Geist auf Gegenwart und Zukunft - so lange sie auch sein möge - zuzusteuern. Die Novelle zeigt das Altern nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als Phase, in der sich neue Perspektiven ergeben. Paul Bálint ist im "alten Alter" angelangt, wie es sein Freund Steinberg nennt. Darauf muss er sich erst einen Reim machen. Aber er weiß schon jetzt: Das Gedicht ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Christian Haller. Einfallende Dämmerung. Novelle. Luchterhand, 140 Seiten, 22,50 Euro.
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Wenn Sie ein Faible für sehr schrägen Humor haben und außerdem die Grüne Insel mögen, dann sind Sie bei diesem Buch besonders gut aufgehoben. Lange Zeit schwer erhältlich, ist nun der schmale, aber umso gewichtigere Roman "Das Grab des Webers" von Seumas O'Kelly im Jung und Jung-Verlag wiederveröffentlicht worden. Bei uns bei weitem nicht so bekannt wie die irischen Großmeister James Joyce oder Samuel Beckett, genießt O'Kelly in seiner Heimat unter Literatur-Feinschmeckern, aber auch politischen Köpfen noch immer Kultstatus - und das, obwohl er bereits seit mehr als 100 Jahren tot ist. Seumas O'Kelly war Journalist und Schriftsteller, der ein spektakuläres Ende fand. 1918 übernahm er die Leitung von "The Nationality", einer Zeitschrift der Sinn Féin-Bewegung. Im November desselben Jahres stürmten britische Soldaten und Loyalisten die Redaktionsräume in Dublin. O'Kelly überlebte die Aufregung nicht, er starb nach einer Hirnblutung.
"The Weavers's Grave" ist ein schmales, aber vielschichtiges Werk, das Tragik und Groteske verbindet und dabei tief in die soziale und kulturelle Landschaft Irlands eintaucht. Im Zentrum steht eine ebenso einfache wie symbolträchtige Handlung: Nach dem Tod des Webers Mortimer Hehir soll dieser in einem bestimmten Grab beigesetzt werden – doch niemand weiß mehr genau, wo es sich befindet. Die junge Witwe und mehrere Dorfbewohner versuchen, die Grabstelle ausfindig zu machen, während alte Männer im Dorf widersprüchliche Erinnerungen liefern und sich in eigensinnigen Streitigkeiten verlieren. Die Suche nach dem Grab entwickelt sich so zu einer Mischung aus absurdem Humor und existenzieller Reflexion über Erinnerung, Tod und Gemeinschaft.
Seumas O'Kelly O’Kelly war eng mit der irischen Unabhängigkeitsbewegung verbunden. Sein literarisches Werk ist vergleichsweise schmal, doch „Das Grab des Webers“ gilt weithin als sein Meisterstück und ist in zahlreichen Anthologien vertreten. Die wunderbar schräge Geschichte ist zugleich Dorfsatire, Totenritual und Studie über das Altern und Erinnern. Besonders die exzentrischen alten Männer, die über das Grab streiten, stehen stellvertretend für eine Welt, in der individuelle Wahrheiten wichtiger sind als objektive Fakten – ein Motiv, das dem Text eine überraschend moderne Wirkung verleiht.
Seumas O'Kelly. Das Grab des Webers. Jung und Jung, 93 Seiten, 21 Euro.
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Die US-Kritiker jubeln schon, auch der deutschsprachige Markt wird mit Superlativen auf das Buch vorbereitet. Die Rede ist von "Real Americans" der Schriftstellerin Rachel Khong. Und, um es vorweg zu nehmen, der Hype ist gerechtfertigt. Zum Inhalt aus der Verlagsvorschau: "New York City, Silvester 1999. Lily Chen ist 22, Tochter chinesischer Einwanderer und unbezahlte Praktikantin in einem hippen Medienunternehmen. Als sie Matthew trifft – charmant, privilegiert, Erbe eines Pharmaimperiums –, verliebt sie sich. Zwei Welten prallen aufeinander. Und doch scheint alles möglich. 21 Jahre später lebt Lilys Sohn Nick mit ihr auf einer abgelegenen Insel. Er spürt: Etwas fehlt. Als er nach seinem Vater sucht, trifft er auf Geheimnisse, die alles verändern – nicht nur für ihn." Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe.
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"Humor ist der Knopf, der verhindert,
daß einem der Kragen platzt."
Joachim Ringelnatz
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Auf der aktuellen Agenda der gesellschaftlichen und erzieherischen Probleme steht das Thema Medienkonsum bzw. -sucht ganz oben. So wird etwa ein Social Media Verbot für Kinder bis 14 Jahren intensiv und kontroversiell diskutiert, ebenso wie ein Handy-Verbot in Schulen. Viele Eltern sind gefordert, oft überfordert, die überbordende Handynutzung ihrer Kinder in geordnete Bahnen zu lenken.
Mit ihrem neuen Buch „Handyfrei“ legt die Münchner Coaching-Expertin Petra Trautwein ein Medien-Coaching-Programm für zuhause vor – mit vielen praktischen Tipps und Bonusfeatures. Damit aus bloßer Sorge wieder Zuversicht werden kann. Ihre Analyse der Situation, die viele Eltern und Kinder ans Limit bringt, ist beängstigend. Inzwischen sind die Folgen des exzessiven Medienkonsums längst kein Geheimnis mehr: Schulschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme, emotionale Abstumpfung, digitale Abhängigkeit, depressive Verstimmungen u. a. m. Ausführliche Interviews mit den beiden Neurowissenschaftlern Gerald Hüther und Damir del Monte (Stichwort: „Digitale Demenz“) belegen, wie wenig das kindliche Gehirn der intensiven Handynutzung und den dadurch ausgelösten Suchtfaktoren entgegenzusetzen hat.
Gleichzeitig macht die Autorin deutlich, dass bloße Verbote das Problem nicht lösen, sondern nur Widerstand erzeugen, was die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern noch zusätzlich belastet. Trautwein wirbt dafür, vor allem das eigene Medienverhalten kritisch zu reflektieren, zumal jenes in Anwesenheit anderer Familienmitglieder. Die Einsicht, zunächst einmal ehrlich zu sich selbst zu sein und sich als Vater und Mutter bewusst zu machen, auch in diesem Bereich eine Vorbildfunktion zu haben, ist der erste Schritt, um gemeinsam und in guter Verbindung mit den Kindern Wege zu einem guten und gesunden Umgang mit Smartphones & Co zu finden.
Den Ernst der Lage erkennen Eltern spätestens dann, wenn das Smartphone mehr Einfluss auf ihre Kinder hat als sie selbst. Das Buch macht Mut, klar, liebevoll und verlässlich dem digitalen Sog entgegenzuwirken – mit positiven Beispielen aus der Coaching-Praxis. Die Conclusio: Veränderung zum Besseren ist möglich, und es gibt Strategien, die funktionieren.
Matthias Opis (Geschäftsführender Verleger der Styria Buchverlage)
Petra Trautwein. Handyfrei. Wie Eltern ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Handy & Medien beibringen. Molden Verlag, 256 Seiten, 24 Euro.
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Michael Jensens historischer Kriminalroman „Zurück unter Mördern“ trägt einen programmatischen Titel. Die deutsche Nachkriegsgesellschaft hat nichts gelernt, beklagt nur ihr eigenes Schicksal anstatt den Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen. Alte Seilschaften aus SS und Gestapo sind überall in Verwaltung und Justiz gegenwärtig und versuchen die Verbrechen der NS-Diktatur zu vertuschen.
Henry Mahler findet sich in der Nachkriegsgesellschaft nur schwer zurecht. Haltlos lebt er von Gelegenheitsjobs, bis er die Chance erhält, als Privatdetektiv zu arbeiten. Er bekommt den Auftrag, für Oswald Lassally Regressansprüche zu prüfen. Dessen alteingesessene jüdische Familie musste in der Nazi-Zeit ihr Hamburger Handelsunternehmen für einen lächerlichen Preis an „arische“ neue Eigentümer verkaufen. Oswald, nach langen Jahren des Exils zurückgekehrt, will von Henry aber vor allem Beweise für den Mord an seinem Vater kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Spuren führen in die Kreise alter Nazis, die überall in der Hansestadt noch ihre Finger im Spiel haben.
Der Autor zeichnet ein nachdrückliches und wenig schmeichelhaftes Bild der jungen Bundesrepublik. Ihm gelingt mit diesem lesenswerten Roman gewissermaßen ein literarischer Stolperstein gegen das Vergessen.
Michael Jensen. Zurück unter Mördern. Aufbau Verlag, 430 Seiten, 13,40 Euro
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Auf dem Nachttisch von...
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...Julian Kolleritsch liegt gerade: Da liegt gerade ein Schwergewicht von einem Buch! Hinter einem pinken, verstärkten Einband versammelt die Kunsthistorikerin Semirah Heilingsetzer auf 384 Seiten im Großformat eine breitgefächerte Auswahl an Texten und Erinnerungen, zu dem, wie es auf dem Cover heißt: Museumsleiter, Kunstkritiker, Publizist, Fotograf, Galerist und Kurator Otto Breicha (1932-2003), selbst über Jahrzehnte eines der wenigen echten Schwergewichte der Kulturszene Österreichs, ohne das vor allem in Wien, Graz und Salzburg die Kulturlandschaft – auch heute noch – eine viel ärmere wäre. Erschienen ist der Prachtband in der "Bibliothek der Provinz".
„Seiner todsicheren Sensibilität verdankt die österreichische Gegenwartskunst überaus viel“, hielt mein Vater Alfred Kolleritsch 2004 in Heft 163 der Literaturzeitschrift manuskripte in seiner Erinnerung an Breicha fest. Das Lob von Günter Brus, Klaus Hoffer und Gerhard Roth fiel (ebendort) nicht geringer aus. Erstmals nun trägt ein Sammelband, der sich gleichzeitig auch als Enzyklopädie und Nachschlagewerk versteht, allen Tätigkeiten Breichas auf ganz unterschiedliche Weise Rechnung. Neben der Kunst- und Literaturwissenschaft erinnern Wegbegleiter*innen, Mitarbeiter*innen wie auch Künstler- und Autor*innen an seine umfangreiche Arbeit.
Hervorzuheben ist der gelungene, hochauflösende Abdruck einer umfassenden Auswahl der Foto- und Kunstsammlungen, die Breicha über die Jahrzehnte privat wie auch für viele Ausstellungen und Museen zusammentrug. Er zeigt deutlich, welch bedeutenden Einfluss Breicha für die Kunst des 20. Jahrhunderts hatte. Die von ihm als Leiter des Rupertinums Salzburg (1983-1998) aufgebaute Sammlung „hat noch allen seinen NachfolgerInnen zur Ehre gereicht“, stellt die Salzburger Kunsthistorikerin Margit Zuckriegl in ihrem Beitrag dazu treffend fest. Ebenso zeichnet er sich für die dort befindliche, bedeutendste Sammlung zeitgenössischer österreichischer Fotografie verantwortlich. In Graz leitete Breicha von 1972 bis 2000 das Kulturhaus Graz, das später, 2003, als Literaturhaus Graz neu eröffnet wurde.
Sein Lebenswerk wäre nur ungenügend beschrieben, würde ich nicht auf die 1966 von Breicha und Gerhard Fritsch in Wien gegründete, wegweisende Zeitschrift für Literatur und Kunst "Protokolle" hinweisen, die Breicha nach dem Tod Fritschs ab 1970 bis zu ihrer Einstellung 1997 in Eigenregie im Verlag "Jugend und Volk" herausgab. In ihr veröffentlichte Elfriede Jelinek – noch vor den in freundschaftlicher Konkurrenz stehenden manuskripten – zum ersten Mal Gedichte. Breicha habe sie „ins Reich des Gestaltens gestoßen“, er sei „an allem schuld“, schrieb Jelinek in ihrem Nachruf vom 30.12.2003 in der Presse. Dass Breicha zusammen mit Hilde Spiel und Georg Eisler von 1969 bis 1974 die Wiener Zeitschrift "Ver Sacrum" wiederbelebte, sei hier nur am Rande erwähnt (aber nicht als Randnotiz zu verstehen!).
„So etwas wie die ,Protokolle' kommt wohl nicht wieder“, sprach mir Friederike Mayröcker 2017 ins Mikrofon. Man ist versucht zu ergänzen, so jemand wie Otto Breicha komme nicht wieder. Der vorliegende Band dient dafür als eindrucksvoller Beweis. Allen Leser*innen, die sich für die österreichische Literatur, Malerei und Fotografie des 20. Jahrhunderts interessieren, empfehle ich dringend, einen Blick in dieses Standardwerk zu Otto Breichas vielfältigen Beitrag zur österreichischen Kulturszene zu werfen.
Julian Kolleritsch ist langjähriger Mitarbeiter der Literaturzeitschrift manuskripte.
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"Ein Schriftsteller sollte sich nicht als einen Mann betrachten, der andere zu intimem Schmause oder zum Freitisch lädt, sondern eher als den Wirt eines öffentlichen Speisehauses, das jedem für sein Geld offensteht."
Aus welchem Buch und von welchem Autor stammt dieser erste Satz?
a) Henry Fielding: "Tom Jones" b) Charles Dickens: "Bleak House" c) William Makepeace Thackeray: "Jahrmarkt der Eitelkeit"
Der gesuchte Satz der Vorwoche (“Sie haben mir eine Strafarbeit gegeben.“) stammt aus dem Roman "Deutschstunde" von Siegfried Lenz. Gratulation, wenn Sie es gewusst/erraten haben. Und viel Spaß/Glück/Erfolg beim neuen Satzrätsel.
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Gedicht
Weißt du, wie ein Gedicht aussehen soll? Von unten? Von der Seite? Von hinten? Ziffern? Lettern? Und welcher Farbe?
Sollte es Wellen ähneln, und wenn ja, welchen? Meer, See, Fluss? Muss jeder reinkönnen, und was soll es kosten?
Ich habe Gedichte gekannt, die waren so alt, man musste ihnen helfen beim Überqueren. Andere waren blind, aber es gab auch Frauen in der Blüte ihrer Jugend, mit Gedanken wie Kalbsbries und Lippen aus Testament.
Es gibt keine Gesetze, sagte der Meister, bisweilen wieder sind sie wie Aktien, dann wieder wie Marzipan, und er tanzte auf den marmornen Treppen des Mausoleums
am Tag bevor er starb an einem vergifteten Sonett.
Cees Nooteboom
(Der niederländische Schriftsteller ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren auf Menorca gestorben)
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Das Thomas Mann-Jahr (150. Geburtstag und 70. Todestag im Vorjahr) ist zwar vorbei, doch diese beiden im Reclam-Verlag erschienen Prachtausgaben von "Buddenbrooks" und "Der Zauberberg" möchte ich Ihnen trotzdem ans Herz bzw. in die Hände legen. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Lübecker Kaufmannsfamilie sorgte beim Erscheinen (1901) für großen Unmut, weil sich viele Bürger der Stadt wiedererkannten. Der als "Nestbeschmutzer" beschimpfte Mann erhielt dafür dennoch den Literaturnobelpreis - allerdings erst im Jahr 1929. Was ihn selbst überraschte, denn eigentlich hätte er sich gewünscht, den renommierten Preis für seinen "Zauberberg", erschienen 1924, zu bekommen.
Dieser epochale Gesellschaftsroman spielt in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in einem der realen Welt entrückten Paralleluniversum in einem Sanatorium in Davos. Im Zentrum steht der ungefestigte Ingenieur Hans Castorp aus Hamburg, der auf Krankenbesuch ist, um Zeit mit seinem Vetter Joachim Ziemßen zu verbringen. Er plant, einige Wochen zu bleiben. Doch aus seinem Aufenthalt werden Jahre. Beide Bände sind aufwendig gestaltet, die Illustrationen von Jörg Hülsmann spiegeln den jeweiligen Inhalt auch atmosphärisch wider.
Thomas Mann. Buddenbooks.
Reclam, 781 Seiten, 42 Euro. Der Zauberberg, 1001 Seiten, 42 Euro
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Das beliebte Monster aus dem dunklen Wald kehrt zurück: Die „Grüffelo“-Familie bekommt mehr als 20 Jahre nach dem letzten Kinderbuch Zuwachs. „Gruffalo Granny“ soll das neue Buch im englischen Original heißen und eine neue, gleichnamige Figur mit sich bringen, wie der Verlag Macmillan bekanntgab. Fans dürfen sich ab dem 24. September auf die deutschsprachige Ausgabe freuen.
Das von der britischen Kinderbuchautorin Julia Donaldson geschriebene und von Axel Scheffler illustrierte Kinderbuch „Der Grüffelo“ wurde im Jahr 1999 zum weltweiten Bestseller. Seither begeistert die Geschichte rund um das Monster mit den auffälligen Zähnen und der grünen Warze auf der Nasenspitze Kinder auf der ganzen Welt. 2004 folgte die Fortsetzung „Das Grüffelokind“.
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Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie, heißt es. In diesem Sinne mache ich jetzt einen Abflug. Das nächste Mal versorgt Sie wieder meine Kollegin Karin Waldner-Petutschnig mit Bücherteppichen. Auf Wiederlesen!
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Wir feiern Ihre Treue mit einem großen Gewinnspiel
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