08.06.2026 | Im Browser lesen noz
Mensch, Papa!
Der Familien-Newsletter
Liebe Leserinnen und Leser,
ich war ein hoffnungsloser Fall. Bücher? Für mich jahrelang die beste, chemiefreie Einschlafhilfe der Welt. Seite eins: Augen werden schwer. Seite zwei: Lider fallen zu. Seite drei: Tiefschlaf. Dann kamen die Kinder.
Schon früh haben meine Frau und ich angefangen, unseren Kindern vorzulesen. Es folgte eine jahrelange, bunte und bisweilen schräge literarische Reise durch den Kinderbuch-Kanon. Bobo Siebenschläfer, Pettersson und Findus, Conni. Geschichten aus Bullerbü, von Janosch oder Peter Pan.
Wir haben den Grüffelo von Axel Scheffler rauf und runter gebetet und uns durch die Märchen der Brüder Grimm gezittert. Aktuell ist es eine wilde Mischung aus glitzernden Einhorngeschichten, emotionalen Reisen mit Juli Krokodil und den großen und stolzen Vorbildern aus der Little-People-Reihe.

Keine Lust auf Lesen, wenn man den ganzen Tag liest

Dabei war mein Verhältnis zu Büchern jahrelang distanziert. Als Redakteur bin ich tagsüber beruflich bedingt quasi dauerhaft im digitalen Textmodus. Ich lese Bildschirme leer, klicke mich durch Mails, tippe, sichte, korrigiere. Wenn dann abends um acht endlich Ruhe einkehrte, hatte mein Gehirn kein Verlangen nach gedruckten Buchstaben.
Durch das Vorlesen habe ich die Freude am Lesen für mich selbst komplett neu entdeckt. Ich merke, wie ich in diesen Momenten ruhiger werde. Die hektische Taktung des digitalen Alltags fällt von mir ab. Meine Konzentration kommt zurück. Und vor allem: Ich werde wieder fantasievoller – oder, besser gesagt, ich lasse mich von der grenzenlosen Fantasie meiner Kinder anstecken.
Wir lesen nicht nur pflichtbewusst als Teil des Abendrituals. Wir lesen am Wochenende auf dem Sofa, nachmittags zwischen Playmobil-Schlachten und eigentlich immer, wenn wir uns ein bisschen Ruhe und Entspannung wünschen. Die Kinder fordern das regelrecht ein.

Jeder Vorlesefehler wird bemerkt

Sie können zwar erst einzelne Buchstaben entziffern, aber sie fiebern mit den Figuren mit, leiden bei jedem Konflikt und verlangen dieselbe Geschichte zum zwanzigsten Mal. Sie blättern stundenlang allein durch Bilderbücher und kennen ganze Passagen unserer Vorlese-Klassiker auswendig – wehe, ich lasse beim müden Abendsprint auch nur ein einziges Adjektiv weg, dann fliegt der Schwindel sofort auf.
Das zeigt mir: Die Lust auf Geschichten kommt oft lange vor der eigentlichen Lesekompetenz. Oder anders gesagt: Bevor Kinder lesen lernen, lernen sie erst einmal, Bücher zu mögen.
Mittlerweile sind wir bei Sachbüchern angekommen. Wenn wir durch aufwändig illustrierte Naturbücher blättern, erfahre ich Dinge über das Liebesleben der Weinbergschnecke oder das unterirdische Gangsystem des Dachses, von denen ich nicht wusste, dass ich es wissen wollen würde. Toll.
Dabei offenbart sich im Kinderzimmer gerade eine herrliche Ironie. Jahrelang habe ich ein Buch nur aufgeklappt, damit ich endlich einschlafen kann. Heute sitze ich Abend für Abend am Bett meiner Töchter und lese laut vor, damit sie einschlafen. Und was passiert? Während die beiden langsam wegschlummern und tief durchatmen, wache ich literarisch gesehen erst so richtig auf.
Ich wünsche Euch eine gute Zeit!
Dein Christian

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Hier ist was los!

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  • Umweltfestival: Die Ökomaile in Osnabrück feiert in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum. Neben Live-Konzerten stellen Umweltinitiativen und Vereine am GZ Ziegenbrink ihre Arbeit vor. Es gilt: Mitmachen, ausprobieren, austauschen. Los geht es am 30.05. um 14 Uhr. Hier ist das Programm.
  • Drachenfest: Der Himmel über dem Speicherbecken Geeste wird wieder bunt: Rund 30 Teams mit insgesamt 75 Drachenpiloten aus dem In- und Ausland präsentieren am 30. und 31. Mai ihre fantasievollen und farbenfrohen Fluggeräte. Los geht es um 11 Uhr.
  • War nichts dabei? Weitere Tipps und Termine findest Du in unseren Familienkalendern für Osnabrück und das Emsland.
 
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